| Gefahren aus der Gesellschaft!
Breite Akzeptanz in der Gesellschaft!
Konrad Landgraf, Sozialpädagoge bei der Caritas, kann den von der Polizei beobachteten Anstieg des Alkoholkonsums bei Jugendlichen nur bestätigen. Einer der Gründe dafür sei die breite Akzeptanz von Alkohol in der Gesellschaft. So kämen Eltern zwar zur Beratung, wenn die Kinder Cannabis konsumierten. Wenn sie sich regelmäßig betränken, schrillten dagegen nur selten die Alarmglocken. „Dabei ist – ohne Cannabis verharmlosen zu wollen – Alkohol das wesentlich größere Problem, vor allem, wenn in sehr jungen Jahren schon viel getrunken wird und eine Abhängigkeit entsteht. Es ergeben sich dann erhebliche Defizite in der Sozialisation“, so Landgraf.
Für Klaus Joelsen, seit zehn Jahren beim Stadtjugendamt für den Kinder- und Jugendschutz zuständig, ist es erschreckend, dass die trinkenden Jugendlichen immer jünger werden. „Heute sind sie bei ihren ersten Vollräuschen gerade mal 14, – Jungen wie Mädchen.“ Neu sei auch, dass sie sich „gezielt vollsaufen“, zum Beispiel auf so genannten Wodka-Partys, bei denen jeder eine Flasche Wodka als Eintrittskarte mitbringen müsse, die dann auch konsumiert werde. „Die Jugendlichen haben den Alkohol für sich entdeckt. Er ist leicht zu bekommen, und oft ist Trinken auch noch positiv besetzt: zum Beispiel, wenn nach Fußballveranstaltungen der Meister mit einem Riesenweißbier anstößt.“
Auszug aus SZ - München |

|
| Hier ein Erfahrungsbericht
Hallo, hier Anja,
ich bin Alkoholikerin und es hat lange gedauert, bis ich diesen Satz aussprechen konnte.
Am Anfang habe ich es für mich abgeschwächt und habe gesagt, dass ich alkoholkrank bin. Es macht aber keinen Unterschied, denn ein Mensch, der alkoholkrank ist, ist nun einmal ein Alkoholiker.
Ich komme selbst aus einer Alkoholikerfamilie und ich habe mir geschworen, einmal nicht wie mein Vater zu werden. Auf der anderen Seite konnte ich verstehen, dass er trinkt, denn ich hatte in meinen Augen eine schlimme Mutter.
Es war bei mir schon so, dass, wenn ich mit Alkohol in Berührung gekommen bin, nicht aufhören konnte. Da kam es schon vor, dass ich um 22 Uhr nach Hause gebracht wurde, obwohl ich bis 24 Uhr Ausgang hatte. Ich war aber sternhagelvoll und nur noch peinlich für die Menschen, mit denen ich zusammen war. Dazu kam noch die Pubertät und ich hatte riesengroße Schwierigkeiten mit meiner Mutter. Wir sind beide dominante Menschen und das konnte nicht gut gehen. Ich habe mich immer als Unterlegene gefühlt und um sie zu "strafen" oder zu treffen, habe ich Dinge gemacht, von denen ich wusste, dass sie ihr weh tun. So ging ich in einem Schuljahr so gut wie gar nicht in die Schule, habe gelogen (sehr häufig auch zum Selbstschutz) und Alkohol getrunken.
Nach der Schule machte ich eine Ausbildung. Zu der Zeit hatte ich immer wieder wechselnde Männerfreundschaften. Dass diese Männer trinkfest waren, muss ich wohl nicht sonderlich erwähnen. So ist meine Sauferei wenigstens nicht aufgefallen. Als ich dann meinen heutigen Mann kennengelernt habe, wurde mein Saufen "weniger".
Als wir dann allerdings heirateten, ich nach 5 Monaten Ehe unseren ersten Sohn und weitere 12 Monate später unseren zweiten Sohn bekam, fing ich an, den Alkohol als Medizin einzusetzen.
Plötzlich bestand meine Welt nur noch aus Kind, nochmal Kind und Einsamkeit. Mein Mann machte zu der Zeit eine Fortbildung und er war den ganzen Tag nicht da. Kam er abends heim, stand das Essen auf dem Tisch. Danach zog er sich an seine Bücher oder aber an die Arbeit zurück.
Als ich mit unserem Zweiten schwanger war, habe ich ihm einmal versprochen und geschworen, dass ich für ihn nicht mehr so viel trinken würde. Schließlich hatte ich schon gehört und gelesen, dass es zu Schädigungen kommen kann, wenn die Mutter in der Schwangerschaft trinkt.
Dieses Versprechen, wie auch viele andere, konnte ich nie lange halten. Mit der Zeit kam immer wieder ein "Hammer" auf mich zu, den ich meinte, nur mit Alkohol lösen zu können. Und da spielte es keine Rolle, ob es Angenehmes oder Unangenehmes war, der Zwang trinken zu müssen wurde so groß, dass ich einfach keine Chance gegen den Alkohol hatte. Und ich schwöre heute noch jeden Eid, dass ich nie die Absicht hatte, mich bis zur Besinnungslosigkeit zu besaufen. Nein, ich wollte mich einfach nur besser freuen oder noch trauriger sein.
|
|